Gros Oeuvre

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21. Mrz 2017

Groes Finale nach sechs Konzertstunden

Im dritten Konzert zur Feier von 30 Jahren Offenburger Ensemble halten sich Unterhaltungswert und avancierte Positionen die Waage.

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    Der Unterhaltungswert teilt sich hier auch optisch mit: Schauspielerin Ursula Bengel (links) ist eigentlich vom Cello benden Nachbarn genervt und nicht von Ralf Beerkirchers (rechts) Gitarrenknsten. Foto: Armin Krger

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    Foto: Offenburg

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OFFENBURG. "Es ist vollbracht", mchte man rufen, und hinzufgen: "Es war grandios!" Am Samstag ging im Schillersaal das letzte der insgesamt drei Jubilumskonzerte zum 30-jhrigen Bestehen des Offenburger Ensembles ber die Bhne, wie stets unter der Leitung und Moderation von Gerhard Mhringer-Gross. Inhalt: Jeweils vor und nach der Pause ein groes Werk, plus schmackhafte Hors d’Oeuvres.

Ein Hauptwerk war gewiss das Klarinettentrio aus dem Jahr 2010 des Finnen Magnus Lindberg, ein packendes Werk, zerklftet, lyrisch, expressiv, hymnisch. In seiner Leidenschaftlichkeit erinnert es an groe Kammermusik der Hochromantik: Liszts H-Moll-Sonate, Tschaikowskys Klavier-Trio, die spten Brahms-Quartette. Immer wieder steigt die Musik aufwrts, strzt zurck, steigt von neuem, bis schlielich der Grat erreicht ist, in einem ungemein intensiven, hohen, ausgehaltenen Klarinettenton, ein innerlicher Schrei – nein, nicht des Triumphs! Es ist ein Schrei der Freiheit, des Glcks! Groartig, wie das Trio mit Markus Raus, Klarinette, Roman Khn, Klavier, und Thomas Lukovich, Cello, das gestaltet, wie die Musiker das Dichte, Monolithische und ebenso das Filigrane, die feinen Schraffuren hrbar machen.

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Dem voraus ging "Sternbild" von Otfried Bsing, Musik ganz anderer Art und nicht minder faszinierend. Bsing stellt den Klang der Bratsche (Rolf Schilli), einer Klarinette (Markus Raus) und einer Trompete, hier Stephan Brsig, nebeneinander. Das klingt sphrisch, berirdisch, eine Wirkung, die durch die silbrig-krperlsen Tne eines Glockenspiels (Mario Fritz) noch verstrkt wird.

Der Einstieg in den Abend war humorig. Die "Improvisation" des Kanadiers Claude Vivier kombiniert Fagott und Klavier. Das Fagott gibt vor, das Klavier von Uschi Gro gibt Echo. Das hat etwas stummfilmhaft Komisches. Es folgen grummelnde Fagottpassagen, hochexpressiv. Dann wird es ironisch-druend, ein bergroer Gestus, der in gespielt martialischem "Rumms – Pruust"-Gesten endet. Das ist herrlich – und zumindest seitens des Fagotts richtig schwer zu spielen. Dabei bringt Annette Winker den Humor des Werks rber, als wre es kinderleicht.

Dem folgte ein Spa von Wilfried Hiller, dem Komponisten der Michael-Ende-Opern, mit Wilhelms Buschs "Die feindlichen Nachbarn": Hier der Musikus auf seinem Cello, dort der Nachbar, den die berei strt. Thomas Lukovich bt hingebungsvoll auf seinem Cello, Glissandi und durchdringend hohe Flageoletts. Die Schauspielerin Ursula Bengel als Nachbarin geht das auf den Hrnerv. In der folgenden Eskalation hetzt die so in ihrem Ohrenfrieden gestrte gar einen Stoffhund auf den Cellisten. Das enervierend hohe Geklff wird auf dem Cello kstlich demonstriert. Busch wusste: "Musik wird strend oft empfunden, dieweil sie mit Gerusch verbunden."

Hard- und Heavy-Wucht im Kammermusikkonzert

Was fr manchen der Konzertbesucher auf Moritz Eggerts "Riff" fr zwei E-Gitarren durchaus zutraf, eine kenntnisreich zusammengestellte und fantastische dargebotene Reise durch die psychedelische Rockmusik in teils gewaltiger Lautstrke. Eggert scheint sie zu kennen: Jimi Hendrix und Jefferson Airplane, die Twin-Gitarren der Allman Brothers und von Lynyrd Skynyrd, die grellen Attacken John McLaughlins beim Mahavishnu Orchestra und ebenso den weit schwingenden Gitarrensound der Byrds sowie die Hard- und Heavy-Wucht von Deep Purple und Konsorten. Alles toll variiert, mit Loops und feinen Soundeffekten dargeboten vom Duo Schraeng alias Frank Wingold und dem Offenburger Ralf Beerkircher. Als Rockfan hat man daran echte Freude.

Was aus rund sechs Konzertstunden dieses Jubilums im Gedchtnis bleibt: Dass bei der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts Qualitt und Unterhaltungswert durchaus kompatibel sind. Und dass es gut tut, mit den von Gerhard Mhringer-Gross ausgewhlten Programmen das Gehr aufzufrischen.

Autor: Robert Ullmann

Source : http://www.badische-zeitung.de/offenburg/grosses-finale-nach-sechs-konzertstunden--134754185.html

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